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ISBN/EAN: 978-3-9899856-3-6
Format: EPUB
DRM: Nicht vorhanden
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Auflage:
1. Auflage 2025
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
366 S., 0.71 MB
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Mord und Flut

eBook - Der Nordseekrimi mit einer taffen Ermittlerin, Neuausgabe / New edition, Neuausgabe / New edition

9,99 €
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Beschreibung

Ein Serienmörder, der seine Opfer kunstvoll in Szene setzt
Der spannende Auftakt einer neuen Krimireihe an der Nordseeküste

Kriminaloberkommissarin Levke Tönnens wird an die Nordseeküste gerufen: Ein unbekleideter Mann– ermordet und kunstvoll in Szene gesetzt. Als ein zweites Opfer auftaucht, erkennt Levkes Freund Veit erneut ein Kunstwerk in der grausamen Mordszene. Obwohl die Opfer scheinbar völlig unterschiedlich sind, verbindet sie dieses Muster: Sie wurden nach Gemälden der Romantik inszeniert. Während Levke immer tiefer in das mysteriöse Rätsel um die Mordfälle eintaucht und Verstrickungen aus Intrigen und zwielichtigen Professoren lösen muss, wird der Fall plötzlich persönlicher, als sie anfangs dachte. In einem Wettlauf gegen die Zeit muss sie das Puzzle lösen, bevor der Killer erneut zuschlägt. Denn Levke weiß– der nächste Mord könnte ihr Leben zerstören.

Erste Leser:innenstimmen
„Levke Tönnens ist eine erfrischend vielschichtige Ermittlerin, und der fesselnde Krimi hat mich bis zur letzten Seite in Atem gehalten.“
„Bei diesem Krimiüberzuegt nicht nur die raffinierte Handlung, sonder auch die raue Nordsee-Kulisse und die malerischen Schauplätze.“
„Wer Küstenkrimis liebt, kommt hier voll auf seine Kosten.“
„Die Wendungen waren völlig unvorhersehbar, und das Finale hat mich völlig umgehauen. Mehr davon!“

Leseprobe

Kapitel 1

„Wat ein Schiet!“ Kriminaloberkommissarin Levke Tönnens streifte ihren rechten Schuh durch den Sand. Diese vermaledeiten Graugänse! In Scharen belagerten sie im Frühjahr den Küstenabschnitt im Wangerland und bedeckten nahezu jeden Quadratzentimeter mit ihren grünlichweißen, wurstähnlichen Hinterlassenschaften. Schwer atmend stand Levke am Strand in Schillig und hob den Fuß an, um die Sohle ihres Schuhs betrachten zu können, was ihr nur mit Mühe gelang.

Sie wischte sich mit der Hand über die feuchte Stirn. Auch in den Achselhöhlen fühlte sie den Schweiß, dabei war es erst April. Noch unter zehn Grad, jetzt um sechs Uhr morgens. Doch der kurze Weg vom Parkplatz über den Deich, über die angrenzende Wiese und den Strand hatte ausgereicht, um ihren Puls in die Höhe zu treiben. Keuchend presste sie die Hand an die Brust und glaubte fast, den Herzschlag durch ihren Parka zu spüren. Erneut streifte sie ihren Schuh durch den Sand. Aber die Überreste des Gänsekots steckten in den Rillen des Profils fest. Allmählich beruhigte sich ihr Atem wieder. Ihr Blick wanderte nach oben.

Ein Schwarm Graugänse flog mit Geschnatter über ihren Kopf hinweg auf das Meer hinaus und ließ sich auf den Wogen nieder. Die Sonne war gerade erst über der Nordsee aufgegangen, ein milchiges Gelb, das in ein tiefes Blau überging. Doch weiter hinten Richtung Jadebusen türmten sich schon graue Wolkengebirge, die Regen versprachen. Außerdem wehte ein kräftiger Wind aus Nordost, der Levke bis unter die Haut fuhr und den Schweiß verdunsten ließ.

Die Arme eng um ihren Körper geschlungen riss sie den Blick vom Horizont und schaute über den Strand. Erkannte sofort den mutmaßlichen Tatort. Scheinwerfer erhellten den mit Flatterband abgegrenzten Bereich, und mehrere Polizisten schirmten das Areal vor neugierigen Blicken ab.

Obwohl es noch früh am Morgen war, stapften die ersten Gassigänger schon am Strand entlang, ebenso liefen einige ambitionierte Jogger ihre Morgenrunden mit Sicht auf die Nordsee.

Früher hatte sie auch zu diesen Sportbegeisterten gezählt, konnte sich nichts Befreienderes vorstellen, als die salzige, kühle Luft tief in ihre Bronchien einzuatmen, begleitet vom monotonen Takt der Füße. Früher. Das war lange her.

„Frau Tönnens, sieh einer an! Dass die Frau Kriminaloberkommissarin sich auch schon die Ehre gibt, die Leiche in Augenschein zu nehmen.“ Rechtsmediziner Professor Doktor Udo Meinhardt sah sie über den nicht vorhandenen Rand seiner Brille hinweg an. Seine eisgrauen Haare passten perfekt zu dem gleichfarbigen Himmel.

Wer hatte den denn hierherbestellt? Normalerweise tauchte ein Rechtsmediziner selten am Tatort auf, die Erstbeschau führten die Kriminalbeamten selbst durch. Und der Notarzt kümmerte sich um den Totenschein. Aber wahrscheinlich akzeptierte Meinhardt nur selten Informationen aus zweiter Hand, gerade von einem Fachfremden – und dazu zählte auch ein Notarzt.

„Wenn ich aus Oldenburg schneller da bin als Sie mit dem Auto aus Horumersiel, was zu Fuß schon in fünfzig Minuten zu schaffen ist, sollte Ihnen das zu denken geben.“ Er musterte sie von oben bis unten.

Sie wollte sich gar nicht ausmalen, was er da sah. Eine Tonne auf zwei Beinen? Sie schluckte und sah rasch auf das Meer.

Das noch in Wellen auf den Strand schlug – es herrschte gerade noch Flut, die schon in Ebbe überging. Doch statt blaugrüner Wogen, durch die man bis auf den Grund sehen konnte, wirkte das Meer wegen des schlammigen Wattbodens wie eine bräunlich gefärbte Brühe. Die Wellen, die an die Holzstelen klatschten, waren von feinem Schaum gekrönt. Ein Windstoß verteilte das Salzwasser wie Nebel auf ihrem Gesicht, und sie erschauerte. Die Feuchtigkeit des Meeres drang überall hin, selbst in den Baumwollstoff ihrer Schuhe, die im Sand versanken.

Sie beschloss, Meinhardts Kommentar zu überhören. „Was haben wir?“

Er deutete stumm etwa hundert Meter weiter den Strand entlang, dann steckte er die Hände in die Taschen seines Wollmantels. Levke folgte mit ihrem Blick seinem Fingerzeig. Die Spurensicherung war noch am Werk. Überall wuselten in Schutzanzüge gehüllte Beamte herum. Da würde sie jetzt nicht stören. Polizeikommissar Thorsten Heims löste sich von der Absperrung und kam auf sie zu, in der Hand einen Schreibblock samt Kugelschreiber, die schwarzen Haare wie Beton an seinem Schädel – trotz des Winds. Levke erinnerte sich an eine Fernsehwerbung, bei der eine Frau bei Wind und Wetter ihre perfekte Frisur behielt. Bisher hatte sie nicht für möglich gehalten, dass es so etwas auch in der Realität gab, aber Heims schien die Lösung gegen den ständigen Wind gefunden zu haben.

„Moin, Frau Tönnens, schön, dass Sie da sind.“

„Blieb mir ja wohl kaum etwas anderes übrig“, murmelte sie und strich sich die blonden Haare, die sich aus dem Zopf gelöst hatten und an ihrer Stirn klebten, mit einer Hand nach hinten. „Wo ist eigentlich mein Kollege, Henning Martens?“

„Der lässt sich entschuldigen. Seine Freundin ist auf der Treppe ausgerutscht, er musste sie in die Notaufnahme bringen.“

Levke zog die Augenbrauen hoch. Das hier würde sie auch allein schaffen, aber später war sie auf Hennings Mitarbeit angewiesen. „Können Sie mir schon etwas Näheres sagen?“

Der junge Polizist räusperte sich. „Wir sind heute früh um halb fünf von der Zentrale informiert worden, dass eine Gruppe Touristen eine Leiche am Strand gefunden hat. Wir sollten das sofort überprüfen. Also sind wir hierhergefahren und haben Sie anschließend benachrichtigt.“

Genau. Früh um fünf. An einem Montagmorgen. Bevor sie überhaupt richtig wach war. Vor dem ersten Schluck Kaffee. „Ein Badeunfall? Suizid?“ Mord und Totschlag kamen hier auf dem Land doch eher selten vor.

„Es sieht nicht nach Unfall aus. Auch nicht nach Suizid, außer Sie kennen eine Methode, wie man sich selbst von hinten erschlagen kann.“

„Sind Sie jetzt neuerdings der Experte für Todesursachen?“ Meinhardt stemmte die Hände in die Hüften und starrte Heims an.

Dieser zuckte zusammen. „Nein, ich wollte doch nur …“

Meinhardt winkte ab und drehte sich von ihm weg.

Heims blätterte in seinem Block seine Notizen durch, den Kopf hochrot.

Levke biss sich auf die Lippen. Hätte sie eingreifen sollen? Nein, entschied sie, Heims musste lernen, für sich selbst einzustehen. Auch gegenüber Meinhardt, der respekteinflößend sein konnte.

„Der Tote ist männlich, hatte weder Kleidung noch Papiere bei sich, auch kein Handy oder Ähnliches. Nichts, womit wir ihn identifizieren könnten. Dafür saß er ziemlich seltsam da.“ Heims hatte seine Stimme wieder im Griff.

„Seltsam?“, fragte Levke.

„Ja …“ Er druckste herum.

„Jetzt stellen Sie sich doch nicht so an, Herr Heims“, mischte sich Meinhardt wieder ein. „So wie es aussieht, hat jemand den Toten ganz bewusst in diese Haltung gebracht. Als wollte der Täter oder die Täterin etwas damit ausdrücken.“

Levke zog die Augenbrauen hoch. Also ein Mord? Und auch noch einer mit Aussage. Hier. In Schillig. Mitten im beschaulichen Wangerland. Wo nie etwas passierte.

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