Details
ISBN/EAN: 978-3-89998-383-8
Einband: gebundenes Buch
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Übersetzer:
Roland Schmieger
Roland Schmieger
Auflage:
1. Auflage 2022
1. Auflage 2022
Erschienen am:
14.02.2022
14.02.2022
Sprache:
Deutsch
Deutsch
Umfang:
312 S.
312 S.
Format (T/L/B):
3.2 x 21.6 x 14.8 cm
3.2 x 21.6 x 14.8 cm
Hersteller:
Weissensee Verlag
G.Höppner
info@anthea-verlag.de
Hubertus Straße 14
DE 10365 Berlin
www.anthea-verlag.de
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Über Georgi Bardarov
Georgi Bardarov ist Schriftsteller und Dozent für ethno-religiöse Konflikte und Demographie an der Universität Sofia. Sein Leben ist bunt und pittoresk wie seine Erzählungen. Sein Debütroman (Ich zähle immer noch die Tage) entstand aus der ersten Reality-Show mit Intellektuellen im bulgarischen Fernsehen, die Bardarov 2015 gewann. Das Buch war Gewinner des PEN Club Award und wurde auch in Bulgarien für den Roman des Jahres nominiert. Im Jahr 2020 veröffentlichte Bardarov seinen zweiten Roman, Absolvo Te. Dieser Roman war 2021 der Gewinner des Literaturpreises der Europäischen Kommission für Bulgarien.
Leseprobe
Wenn du ein Leben rettest, hast du die ganze Welt gerettet, aber man hat doch wohl, wenn man ein Leben zugrunde richtet, nicht die ganze Welt getotet?! Du siehst ihn, er lacht, nimmt sich wichtig. Ein gezielter, passgenauer Fußtritt mit aller Kraft reicht aus, um ihm die grinsende Maske vom Gesicht zu rei?en. Damit er quiekt wie ein zum Schlachten getriebenes Schwein, damit er dich verstandnislos von unten herauf anblickt wie ein Tier, das in die Falle gegangen ist. Dann ist es Zeit fur den zweiten Tritt. Ebenfalls gut gezielt, gegen den Kopf. Er prallt zuruck, die Brille geht zu Bruch, Hautpflege und Rotz verschwimmen, Tranen und Blut fließen. Dann noch zwei kraftige Tritte in den Rumpf. Mehr ist nicht notig. Er ist am Ende, selbst wenn man ihn im Krankenhaus wieder zusammenflickt, hast du ihn fertiggemacht, er wird fur alle Zeiten das Siegel der Angst in sich tragen. Oh Gott, so leicht ist das. Du siehst, wie irgendeine alte Frau die Strasse entlanggeht, mit ihren dritten Zahnen ihr kaltes Fruhstuck kaut. Sie hat sich ans Leben geklammert, als wollte sie Ewigkeiten uberdauern. Sie braucht nicht viel. Einfach ein kraftiger Faustschlag auf den Holzkopf ist genug. Dann gehst du in sichere Entfernung und siehst zu, wie sich um den nicht mehr atmenden Korper besorgte Menschen scharen, die sie in funf Minuten schon vergessen haben werden, ihr Bier trinken und das Fußballspiel anschauen werden, wie wir alle Lektionen des Lebens vergessen, wahrend wir nur an uns selbst denken! Und du pfeifst vor dich hin und setzt deinen Weg fort, denn ein leckeres Abendessen und ein interessantes Fußballspiel im Fernsehen erwarten dich. So leicht ist das. Ein Junge lauft die Strasse entlang, schleckt sein Eis, zielt mit der Zwille auf streunende Katzen und Tauben und halt sich fur groß und allmachtig. Du zielst genau, steckst eine Patrone in den Lauf. Eine aus mehreren Legierungen hergestellte Patrone, die durch die Hande eines Dutzends gewohnlicher Sklaven des Systems gegangen ist. Einer gießt das Metall, ein anderer dreht den ganzen Tag lang die Kurbel der Walzmaschine, ein dritter nimmt sie mit Tausenden ahnlichen Geschossen vom Fließband, dazu bestimmt, Tod zu saen, vierte Personen, hochstwahrscheinlich Frauen, die geboren und Leben geschenkt haben, verpacken sie in Pappkartons, in den dusteren, niemals vom Sonnenlicht beruhrten Betrieben einer Waffenschmiede voller Staub und Ratten, dann verschickt sie ein murrischer Onkel jenseits der Funfzig, mit Hamorrhoiden, geschieden und einsam, der seit dem Morgen nur ans Onanieren und an ein kaltes Bier denkt, an die Geschafte in einem Dutzend Stadten, wo Dutzende nichts fuhlende Manner sie kaufen, in den Lauf ihres Gewehres stecken und mit derselben Gleichgultigkeit Tod saen werden, mit der sie es abends ihren Frauen besorgen. Einfach so, du hast sie in den Lauf gesteckt und zielst auf die Stirn eines nichtsahnenden sorglosen kleinen Jungen, der gerade einen nichtsahnenden, Krumel pickenden Spatzen ins Visier genommen hat. Du ziehst den Abzug leicht durch, so leicht ist das. Das Geschoss hinterlasst eine runde schwarze Offnung mit roten Randern in der Stirn des kleinen Jungen, der im Staub der Strasse zusammensinkt, wahrend der Spatz in den blauen Himmel auffliegt, wahrend du in ein Pub gehst, um ein Bier zu trinken und das ewige Derby Barcelona-Real anzusehen. So leicht ist es, ein menschliches Wesen zu vernichten. So leicht ist es, eine Welt zu vernichten. Oft braucht es gar keine Fußtritte oder Geschosse, es reicht, nur ein paar Worte zu sagen, um den anderen zu erniedrigen. Es ist so leicht Und es ist so schwierig, so unendlich schwierig, einen Menschen zu retten, einen Menschen, eine Mikrowelt, die fur die Milliarden Primaten auf diesem Planeten nichts bedeutet, aber fur dich ist er mehr als alles. Fur dich ist er die ganze Welt! Wenn du uns eines Tages, oh Gott, vergeben kannst